Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) ist eine von drei im europäischen Teil des Mittelmeerraumes beheimateten Landschildkrötenarten der Gattung Testudo und kommt in zwei Unterarten vor (Testudo Hermanni Hermanni und Testudo Hermanni boettgeri). Griechische Landschildkröten sind überwiegend herbivore, tagaktive Reptilien, die ein dem Menschen vergleichbar hohes Alter erreichen können. Die Zerstörung ihrer angestammten Lebensräume und ihre Beliebtheit als Heimtier haben den Wildtierbestand inzwischen stark gefährdet und Schutzmaßnahmen für ihren langfristigen Erhalt unabdingbar werden lassen.
 
Beschreibung
Die Griechische Landschildkröte ist eine kleine bis mittelgroße Landschildkröte von etwa 20 Zentimeter Länge mit einem starren Bauchpanzer (Plastron), der auch bei Weibchen kein Scharnier vor den Hinterbeinen aufweist. Der Rückenpanzer (Carapax) ist mäßig hoch gewölbt. Er verbreitert sich meist etwas zum Schwanzende hin und wirkt deshalb in der Aufsicht oval bis leicht trapezförmig. Wie bei den meisten Schildkröten wird die aus Knochenplatten bestehende Panzerkapsel von dünnen Hornschilden bedeckt, wobei der so genannte Schwanzschild bei Testudo hermanni meist geteilt ist. Die Grundfärbung des Panzers ist gelb bis oliv mit einer dunklen Fleckung, die individuell und unterartbedingt verschieden stark ausgeprägt ist. Jungtiere schlüpfen mit einer deutlichen und kontrastreichen Zeichnung des Panzers aus dem Ei. Bei älteren Tieren wird die Färbung und Zeichnung zunehmend verwaschen. Kopf und Vorderbeine besitzen kleine bis mittelgroße Schuppen, die Vorderbeine haben meist fünf Krallen. Die Hinterextremitäten haben stets vier Krallen. Testudo hermanni weist bei beiden Geschlechtern am Schwanzende einen Hornnagel auf. Die Grundfarbe von Kopf und Extremitäten ist gelblich bis braun, beide sind hell und dunkel geschuppt.
 
Systematik
Klasse  Reptilien (Reptilia)
Ordnung  Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung  Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie  Landschildkröten (Testudinidae)
Gattung  Testudo
Art  Griechische Landschildkröte
Wissenschaftlicher Name  Testudo hermanni
 Gmelin, 1789
 
Unterscheidungsmerkmale zu anderen europäischen Landschildkröten
Am sichersten lässt sich die Griechische Landschildkröte an ihrem Hornnagel am Schwanzende erkennen, den Maurische Landschildkröten, Breitrandschildkröten und die meisten anderen, ähnlich aussehenden Vertreter der Gattung nicht besitzen. Die Unterscheidung von der aus Testudo hermanni ausgegliederten Dalmatinischen Landschildkröte Testudo hercegovinensis geschieht durch die so genannten Inguinalschilde am Bauchpanzer, die bei Testudo hermanni vorhanden sind, bei Testudo hercegovinensis aber fehlen. Von der in Zeichnung, Färbung und Größe recht ähnlichen Maurischen Landschildkröte unterscheidet sich die Griechische Landschildkröte außerdem deutlich durch das Fehlen von Hornkegeln zwischen Schwanz und Hinterbeinen.
 
Geschlechtsunterschiede
Griechische Landschildkröten besitzen einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Männchen und Weibchen zeigen deutliche sekundäre Geschlechtsmerkmale, die sich mit etwa vier bis sechs Jahren ausprägen. Frisch aus dem Ei geschlüpfte Tiere sind nicht nach Geschlechtern unterscheidbar.
Erwachsene Männchen haben einen längeren Schwanz und eine dickere Schwanzwurzel, in der der Penis verborgen ist und zur Begattung und zum Kot- und Urinabsetzen ausgestülpt wird. Der Hornnagel am Schwanzende kann bei einem älteren Männchen eine beachtliche Größe annehmen. Der Bauchpanzer ist leicht nach innen gewölbt um bei der Paarung nicht vom Weibchen abzurutschen (konkav). Auch die Form der Schwanzschilde des Bauchpanzers und das Oberschwanzschild des Rückenpanzers charakterisieren das Männchen. Weibchen sind dagegen insgesamt größer und schwerer als Männchen, und ihre Kloake liegt näher am Körper. Ihr Hornnagel ist wesentlich kleiner und leicht nach innen gebogen. Der Bauchpanzer ist eben.
 
Verbreitung
Die Griechische Landschildkröte besiedelt große Teile des europäischen Mittelmeerraumes. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Spanien (Katalonien) über Südfrankreich, Italien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Mazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien bis in den europäischen Teil der Türkei. Außerdem sind zahlreiche Inseln im Mittelmeer besiedelt.
 
Unterarten
Von Testudo hermanni sind zwei Unterarten bekannt. Bis 1993 unterlagen die beiden Unterarten einer anderen Nomenklatur, da Gmelin bei der Erstbeschreibung im Jahre 1789 ein Fehler unterlaufen war. Er bezog sich mit seiner Beschreibung von Testudo hermanni hermanni auf ein Exemplar der anderen Unterart. So wurden als Testudo hermanni hermanni zunächst Tiere der östlichen Verbreitungsgebiete bezeichnet, solche der westlichen Verbreitungsgebiete dagegen als Testudo hermanni robertmertensi. Heute werden folgende Bezeichnungen verwendet:
T. h. hermanni, Gmelin 1789 (Sardinien)
Verbreitung: Ostspanien, Südfrankreich, Balearen, Korsika, Sardinien, Mittelitalien (Toskana). Die auf den Mittelmeerinseln lebenden Populationen beruhen auf Ausbringung durch den Menschen. Der Rückenpanzer dieser Unterart ist etwas höher gewölbt und hat eine intensivere Gelbfärbung. In starkem Kontrast dazu stehen die gut abgegrenzten und symmetrischen, schwarzen Färbungselemente, die oft über 50% der Fläche einnehmen. Auf dem Rückenpanzer oberhalb des Schwanzes (fünfte Vertebrale) befindet sich eine charakteristische, schwarz eingefasste Schlüssellochzeichnung. Der Bauchpanzer hat zwei zusammenhängende, schwarze Bänder entlang der Mittelnaht. Die Vorderfüße besitzen in der Regel an ihrer Unterseite keine schwarze Pigmentierung. Die Basis der Krallen ist oft hell gefärbt. Die Unterart wurde nach Johann (bzw. Jean) Hermann (1738-1800) benannt, einem Zoologen, Botaniker, Mediziner, Chemiker und Philosophen aus Straßburg, in dessen umfangreicher zoologischer Sammlung sich unter anderem auch das Typusexemplar dieser Art befand.
T. h. boettgeri (Kopfstudie) , Mojsisovics 1889
Verbreitung: Kroatien, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien, Albanien, Griechenland, europäischer Teil der Türkei. Der Rückenpanzer von T. h. boettgeri ist etwas weniger hochgewölbt als bei der westlichen Unterart. Die Färbung des Panzers ist stroh- bis olivgelb mit schwarzen Flecken, insgesamt jedoch nicht ganz so kontrastreich wie bei der Nominatform. Der Bauchpanzer ist fast immer hornfarben und weist zu beiden Seiten der Mittelnaht nur einzelne schwarze Flecken auf, keine Bänder. Der Kopf hat eine bräunliche bis schwarze Färbung und die Basis der Krallen weist eine dunkle Färbung auf. Der Unterartname boettgeri geht auf den Frankfurter Herpetologen Oskar Boettger (1844–1910) zurück. Die 1899 von Werner als Testudo graeca var.hercegovinensis beschriebene Form wurde 2002 von Perälä als Testudo (hermanni) hercegovinensis re-validiert und von T. h. boettgeri abgespalten. Diese im Deutschen als Dalmatinische Landschildkröte bezeichnete Art unterscheidet sich von T. h. boettgeri unter anderem durch ihre kleinere Körpergröße und fehlende Inguinalschilde (Hüftschilde). Perälä gibt als Verbreitungsgebiet der Art einen Teil des ehemaligen Dalmatiens, das heißt die kroatische Küstenregion, Bosnien-Herzegowina und Montenegro, an. Begrenzt werde das Vorkommen durch Zadar, Mostar, Bileka, Trebinje und Budva. Eine neue Arbeit beschreibt die Griechische Landschildkröte als eigenständige Gattung (Eurotestudo) und hebt die bisherigen Unterarten auf Artniveau (Eurotestudo hermanni bzw. Eurotestudo boettgeri). Ob sich diese Einteilung beziehungsweise die Abspaltung der Hercegovinensis-Tiere allgemein durchsetzen wird, gilt gegenwärtig als noch nicht sicher.
 
Fortpflanzung
Wie bei einigen anderen Schildkrötenarten wird das Geschlecht nicht durch Geschlechtschromosomen bereits bei der Befruchtung festgelegt, sondern erst im Laufe der Embryonalentwicklung durch die Bruttemperatur bestimmt (ESD/TSD, umwelt-/temperaturabhängige Geschlechtsfixierung). Bei Testudines, zu der auch die Griechische Landschildkröte gehört, entstehen unterhalb einer so genannten Scheiteltemperatur Männchen, darüber Weibchen. Als Scheiteltemperatur wird diejenige Bruttemperatur bezeichnet, die unter konstanten Laborbedingungen ein ausgewogenes Geschlechtsverhältnis bewirkt. Für T. hermanni liegt sie bei 31,5 °C.
 
Paarung
Griechische Landschildkröten haben Paarungsrituale, die auf den Menschen ausgesprochen grob wirken. Das Männchen verfolgt und umkreist das Weibchen unablässig und versucht es durch kräftiges Beißen in die Beine am Davonlaufen zu hindern. Bisse in den Kopf veranlassen das Weibchen, den Kopf einzuziehen, wobei die Kloake leicht hervortritt. Jetzt kann das Männchen aufreiten. Bei den so genannten Friktionsbewegungen vor der eigentlichen Kopulation öffnet das Männchen das Maul und stößt piepsende Laute aus, die möglicherweise stimulierend auf das Weibchen wirken. Bei den Paarungsversuchen von T. h. boettgeri kann das Männchen dem Weibchen schwere Paarungsverletzungen durch seinen langen Hornnagel zufügen. Männchen sind das ganze Jahr paarungswillig, besonders ausgeprägt im Frühjahr und vor allem im Herbst. Die Paarungsversuche des Männchens verlaufen aber häufig ergebnislos. In einer Untersuchung kam es in weniger als einem Prozent der Versuche zur vollzogenen Paarung. Als Ausgleich dafür dient vermutlich die Fähigkeit des Weibchens, Samen aus früheren erfolgreichen Paarungen über längere Zeit, möglicherweise Jahre, zu speichern und so die heranreifenden Eier auch ohne erneute Paarung zu befruchten. Im Gegensatz zu anderen europäischen Landschildkrötenarten ist das Verhältnis der Geschlechter erwachsener Tiere untereinander in sehr vielen natürlichen T. h. boettgeri-Populationen nicht ausgewogen, sondern teilweise stark zugunsten der Männchen verschoben. Als Ursache dafür wird, neben früherem Eintritt der Geschlechtsreife bei Männchen, vor allem die kürzere Lebenserwartung der Weibchen angegeben.
 
Eiablage
Die Brutpflege beschränkt sich wie bei den meisten Schildkrötenarten auf die sorgfältige Auswahl des Eiablageplatzes in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit und vermutlich auch Nahrungsangebot bzw. Deckung für die schlüpfenden Jungtiere. Das Schildkrötenweibchen verlässt hierzu häufig sein angestammtes Territorium und sucht lange, bis es einen passenden Platz gefunden hat. Dieser wird oft über Jahre beibehalten. Hat es ihn gefunden, gräbt es mit den Hinterbeinen eine relativ tiefe Eigrube, in die es vorsichtig die Eier platziert. Danach wird die Grube sorgfältig wieder zugeschaufelt und der Nachwuchs der Sonne zum Ausbrüten überlassen. Griechische Landschildkrötenweibchen legen zwei- bis dreimal im Jahr (von April bis Juni) bis zu 14 hartschalige Eier, im Mittel aber drei bis sechs Eier pro Gelege. Die Eier wiegen durchschnittlich 16 Gramm und haben einen Durchmesser von 35 bis 37 Millimeter. Die Gelegegrößen variieren bei den verschiedenen Populationen (Stubbs 1985, Hailey 1988, Eendebak 1995). Die Gefahr für die abgelegten Eier durch Nesträuber ist extrem groß. Sehr viele Gelege werden komplett zerstört, in manchen Populationen bis nahe 100 Prozent (Willemsen u. a. 1989).
 
Schlupf und erste Lebensjahre
Die kleinen Schildkröten schlüpfen von Ende August bis Ende September nach einer durchschnittlichen Brutdauer von etwa 90 Tagen, in Frankreich bis zu 110 Tagen, in Rumänien bis zu 124 (Cheylan 1981, Cruce u. a. 1976). Wenn herbstliche Regenfälle die ausgetrocknete Erde aufweichen und ein reiches Nahrungsangebot versprechen, graben sie sich in gemeinsamer Anstrengung aus der Eigrube nach oben und verbringen die ersten Lebensjahre verborgen im Bereich von Hecken und Büschen. Wegen ihrer geringen Körpergröße stellt Überhitzung und Austrocknung für sie eine wesentlich größere Gefahr dar als für erwachsene Schildkröten. Sie sind daher eher an bedeckten Tagen und in den kühleren Tages- und Jahreszeiten aktiv. Die Überlebensrate von Jungtieren in der Natur ist aufgrund ihrer verborgenen Lebensweise wenig erforscht. Sie wird jedoch allgemein als gering angesehen. Es gibt aber auch Hinweise auf hohe jährliche Überlebensraten von über 80 Prozent in manchen Populationen (Willemsen, persönliche Mitteilung)
 
Wachstum und Lebenserwartung
In den ersten Jahren zeigen T. h. boettgeri einen relativ linearen, jährlichen Längenzuwachs von ungefähr einem Zentimeter Panzerlänge (Stockmaß). Dabei bilden sich durch die regelmäßigen Wachstumsperioden an den Schilden des Rückenpanzers deutlich sichtbare Wachstumsringe aus, die zur ungefähren Altersbestimmung herangezogen werden können. Einige Zeit nach der Geschlechtsreife verlangsamt sich das Wachstum; die Wachstumsringe werden zunehmend schmaler. Bei sehr alten Tieren bildet sich kein sichtbarer Zuwachs mehr, und auch die früheren Wachstumsringe sind nicht mehr deutlich genug für eine Altersbestimmung.
Durchschnittlicher Eintritt der Geschlechtsreife und Ende des schnellen Jugendwachstums variieren bei verschiedenen Populationen von T. h. boettgeri beträchtlich. In Griechenland wurde eine Spanne der Durchschnittswerte für die Geschlechtsreife von ca. sechs bis vierzehn Jahren bei Männchen und von sieben bis sechzehn Jahren bei Weibchen festgestellt. Diese beträchtlichen Unterschiede werden nicht durch höhere Schlupfgewichte oder stärkeres Jugendwachstum hervorgerufen, sondern durch ein späteres Ende des schnellen Wachstums, das bei den einzelnen Lokalformen bei neun Jahren liegen kann, aber auch erst bei 20 Jahren. Kleiner bleibende Tiere haben oft sogar ein etwas schnelleres Jugendwachstum als größer werdende. Die Wachstumskurve flacht bei ihnen nur sehr viel früher ab. Die größte Panzerlänge (31,4 cm) wurde an einem Museumsstück aus Bulgarien gemessen. Normalerweise bleiben die Tiere jedoch deutlich kleiner: Männchen erreichen Panzerlängen bis 20 cm, Weibchen bis 26 cm. Es sind aber auch sehr viel kleinere Lokalformen bekannt (Willemsen u. a., 1999). T. h. hermanni erreicht selten eine Panzerlänge über 18 cm (Durchschnittswert für alte Weibchen in Kalabrien, 12,8 cm, Willemsen 2000). Es gibt sogar Tiere, deren Panzerlänge ausgewachsen nur sieben Zentimeter beträgt.
 
Alter und Lebenserwartung
Der sparsame Umgang mit Energie ist das Geheimnis, weshalb Landschildkröten ein hohes Lebensalter erreichen können. Bei der poikilothermen (wechselwarmen) Griechischen Landschildkröte laufen die Lebensvorgänge in manchen Perioden verlangsamt ab, durch die Temperaturabsenkung in der Nacht, bei Schlechtwetter und während der Winterstarre. Sie können deshalb gut fünfmal älter als vergleichbar große Säuger werden und unter günstigen Umständen über 100 Jahre leben.
Allerdings ist trotz dieses möglichen Höchstalters die tatsächliche Lebenserwartung in der Natur deutlich geringer; nur etwa ein Prozent der geschlechtsreifen Tiere erreicht ein Alter von 50 Jahren. Bei Untersuchungen an einer Population von T. h. boettgeri in Nordgriechenland wurden jährliche Überlebensraten bei adulten (erwachsenen) Tieren von etwa 90 Prozent ermittelt, wobei Männchen eine etwas höhere Überlebensrate hatten als Weibchen. Männchen hatten nach Eintritt der Geschlechtsreife (im Mittel mit neun Jahren) noch durchschnittlich 11,6 Jahre zu leben. Bei Weibchen trat die Geschlechtsreife im Schnitt erst mit elf Jahren ein. Sie hatten danach eine weitere Lebenserwartung von nur noch 8,1 Jahren. Ihre kürzere Lebenserwartung wird mit den Folgen von Paarungsverletzungen durch die Männchen erklärt, die über Infektionen und Madenbefall zum Tode führen können. Die Lebenserwartung von Weibchen steigt mit sinkender Bestandsdichte, das heißt weniger Tiere, weniger Paarungsversuche und dadurch weniger Verletzungen bei den Weibchen. Die der Männchen dagegen bleibt gleich. Bei Jungtieren konnte kein Unterschied in der Überlebensrate zwischen den Geschlechtern festgestellt werden (Hailey u. a. 1990/2000).
 
Lebensweise in der Natur
Allgemeines
Griechische Landschildkröten sind tagaktive Reptilien, die für die Verdauung ihrer überwiegend vegetarischen Nahrung auf die Zufuhr von Sonnenenergie angewiesen sind. Sie können als poikilotherme (wechselwarme) Tiere die nötige Körperwärme nicht selbst erzeugen, sondern müssen sie, ihren jeweiligen Bedürfnissen entsprechend, durch Ortswechsel von schattigen zu sonnigen Plätzen beeinflussen. Für die einwandfreie Verdauung ihrer faserreichen Nahrung benötigen sie für einige Stunden am Tag Körpertemperaturen um 25 bis 30 °C (Präferenztemperatur, Huot-Daubremont, 1996), die sie, zum Beispiel durch ein morgendliches Sonnenbad, auch dann erreichen, wenn die Lufttemperatur noch deutlich niedriger liegt. Oberhalb von 40 °C geraten sie in Lebensgefahr und vergraben sich deshalb in der kühleren Erde. Unterhalb von 8 °C kommt der Stoffwechsel zum Erliegen. Auch Atmung und Herzfrequenz sind stark herabgesetzt.
Lebensraum
Die Griechische Landschildkröte besiedelt fast alle Vegetationsformen im Mittelmeerraum bis in eine Höhe von etwa 1500 Metern. Sie bewohnt lichte Kiefern-, Eichen- und Korkeichenwälder, Hecken-, Strauch- und Heidelandschaften (Macchia, Garrigue), sowie Kulturflächen wie Wiesen, Oliven- und Zitrushaine, Ackerland und Gärten. Teilweise wird zwischen einzelnen Vegetationsformen gewechselt, zum Beispiel zur Eiablage.
Reviergrößen
Auf ihren Wanderungen zur Futtersuche legen die Tiere im Durchschnitt 80 Meter täglich zurück, teilweise aber auch über 400 Meter. Im Jahr kommen so Wege von rund 12 Kilometer Länge zustande. Die Tiere nutzen dabei sehr große Reviere, je nach Biotop 1,8 Hektar und mehr (Hailey 1989).
Tages- und Jahreszyklus
Nach Ende der Winterstarre im März/April nutzen die Tiere ihre aktive Zeit hauptsächlich zum Sonnenbad in den warmen Vormittagsstunden (Thermoregulation). Die Hauptaktivitätsphase liegt im Mai beziehungsweise Juni. Jetzt kommt es zu gesteigerter Nahrungsaufnahme, Revierveränderungen und Sexualverhalten wie Kopulation und Eiablagen. Die sommerliche Hitze in den Monaten Juli und August zwingt die Tiere zu einem geteilten Tagesrhythmus, mit einem Rückzug in kühle Verstecke während der heißen Tageszeit. Im Herbst (September/Oktober) geht die Aktivität deutlich zurück. Die Aufwärmphasen nehmen jetzt wieder einen Großteil der aktiven Zeit in Anspruch (Cheylan, 2001). Daneben kommt es aber auch zu erneuter Paarungsaktivität. Die kalte Jahreszeit (drei bis fünf, in Ausnahmefällen sechs Monate) wird überwiegend inaktiv in frostfreien Höhlen verbracht.
Nahrung
Aufgenommen wird eine Vielzahl von ein- und mehrjährigen Pflanzen aus einem breiten Spektrum von Pflanzenfamilien. Nahrungsvorlieben sind dabei deutlich feststellbar. So machten bei einer Untersuchung in Korsika nur neun Pflanzenarten den Hauptnahrungsanteil von 62% aus. Das sind, in der Reihenfolge der Beliebtheit, Vertreter von Korbblütlern (Asteraceae), Hülsenfrüchtlern (Fabaceae), Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae), Aronstabgewächsen (Araceae), Glockenblumengewächsen (Campanulaceae), Windengewächsen (Convolvulaceae) und Rötegewächsen (Rubiaceae). Überwiegend (ca. 70 %) werden die Blätter der Pflanzen gefressen, aber auch Blüten, Früchte und in geringem Maße Stängel. Darüber hinaus wurden die Tiere beim Aufnehmen von Wirbellosen (z. B. Gehäuseschnecken), Aas und Kot von Wirbeltieren und kleinen Steinchen beobachtet. Aromatisch duftende Pflanzen wie Lavendel und Thymian werden nicht gefressen.
Feinde
Das Ausplündern der Gelege, meist unmittelbar nach der Ablage, bringt die größten Verluste. Daneben haben aber vor allem Jungtiere eine Reihe von Fressfeinden, wie Greif- und Rabenvögel, Ratten, Marderartige, Füchse, Hunde und Wildschweine. Für größere Schildkröten stellen nur noch sehr große Greifvögel, Hunde, Wildschweine und der Mensch eine Gefahr dar.
Gefährdung und Schutz [Bearbeiten]
 
Artenschutz-Übereinkommen
Wie alle europäischen Landschildkröten ist T. hermanni, insbesondere die westliche Unterart, in ihren Heimatländern im Bestand bedroht. Die IUCN stuft den Gesamtbestand der Griechischen Landschildkröte als "gering gefährdet" ein, während die Nominatform als "stark gefährdet" gilt. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war es vor allem das systematische Absammeln für den mittel- und nordeuropäischen Heimtiermarkt, das viele Populationen an den Rand der Ausrottung brachte. Folgerichtig war T. hermanni von Anfang an, seit 1975, im Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) in Anhang II aufgeführt. Seitdem gilt für die Unterzeichnerstaaten ein vollständiges Handelsverbot für aus der Natur entnommene Tiere. Mit dem Beitritt der großen europäischen Abnehmerländer zur Artenschutzkonvention, überwiegend in den Jahren 1976 bis 1978, brach der Markt für den Export weg, auch wenn die meisten Heimatländer der Griechischen Landschildkröte erst sehr viel später unterzeichneten. Griechenland und die Türkei traten zum Beispiel erst 1993 beziehungsweise 1996 bei.
In Gefangenschaft nachgezogene Tiere unterliegen einer behördlichen Meldepflicht und brauchen für die Weitergabe an andere Halter Vermarktungsgenehmigungen. Seit 1996 sind das die sogenannten EU-Papiere mit Identifikation einzelner Individuen. Zunächst mussten Tiere über 500 Gramm mit elektronischem Mikrochip versehen werden. Jetzt wird eine Fotodokumentation mit Fotos von Rücken- und Bauchpanzer verlangt, da die Form der Schilde die einzelnen Tiere unveränderlich kennzeichnet. Ohne diese Papiere ist eine Weitergabe in der gesamten EU illegal und wird bestraft, genauso wie eine illegale Einfuhr aus den Herkunftsländern, zum Beispiel als Touristensouvenir.
Weiterbestehende Gefährdung
Das Handelsverbot für griechische Landschildkröten hat die Bedrohung durch den Menschen nicht beendet. Vor allem die Zerstörung angestammter Lebensräume durch Baumaßnahmen, Urbarmachung von Brachland, zum Beispiel durch Brandroden, Einsatz schwerer Maschinen und Herbiziden, aber auch Überweidung durch Nutztiere (Schafe und Ziegen) entzieht den Landschildkröten, insbesondere den empfindlichen Jungtieren, Nahrung und Schutz vor Austrocknung beziehungsweise vor Fressfeinden. Wenn der Verlust an Habitat weiter wie bislang fortschreitet, wird der Landschildkrötenbestand zum Beispiel in Griechenland in 100 Jahren auf 20 bis 40 Prozent gesunken und zum Ende des Jahrtausends erloschen sein. Zudem leben viele Populationen durch die Zerstückelung der Landschaft voneinander isoliert, was langfristig durch Verringerung der Genvielfalt die Erhaltung der Art ebenfalls bedroht, wenn auch signifikant weniger als der Verlust an Lebensraum.
Schutz- und Wiederansiedlungsprojekte
Um die völlige Ausrottung der Griechischen Landschildkröte zu verhindern, gibt es in den Heimatländern einige - zum Teil umstrittene - Artenschutzprojekte. Für die letzte Population der besonders gefährdeten Nominatform T. h. hermanni auf der iberischen Halbinsel wurde 1986 in den Ausläufern der östlichen Pyrenäen der Nationalpark Parc Natural de l'Albera eingerichtet, von dem aus auch drei Wiederansiedlungsprojekte in Katalonien betreut werden. In Südfrankreich kümmert sich das SOPTOM-Projekt in Gonfaron neben dem Erhalt von natürlichen Lebensräumen um die Versorgung von Verkehrs- und Brandopfern und die Vorbereitung zur Wiederauswilderung einiger lange in Gefangenschaft gehaltener Tiere. Weitere, zum Teil private Naturschutzprojekte sind das Carapax Center in Massa Marittima, Italien, und O AETOS e. V. in Platamonas, Griechenland.
 
Die Griechische Landschildkröte als Heimtier
Gesichertes Jungtiergehege
Landschildkröten werden seit Jahrtausenden vom Menschen genutzt, als Nahrungsquelle, der Panzer als Gebrauchsgegenstand und Schmuckobjekt, das lebende Tier als Kinderspielzeug. Auf einer süditalienischen Vase aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. (Exponat im British Museum) ist ein Mädchen beim Spiel mit einer Landschildkröte abgebildet. Es hat dem Tier eine Schnur an das Hinterbein gebunden und lässt es so kopfüber vor der Nase eines Hundes baumeln.
Die heutige Nutzung dieser Tiere, auch in den Heimatländern, wird durch das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen weitgehend auf die Haltung von Nachkommen der einstigen Wildfänge beschränkt. In unseren Breiten stellt die Griechische Landschildkröte relativ hohe Ansprüche an die Haltung, ist sie doch ein Tier, dessen Lebensvorgänge durch die hohe Lichtintensität und Sonnenwärme im Mittelmeergebiet gesteuert werden.
Unterbringung
Zur artgerechten Haltung benötigt man ein großes, vollsonniges Freigehege im Garten mit einigen Schattenplätzen unter Büschen und freiem Zugang zu einem heizbaren Frühbeet/Gewächshaus für kalte Nächte oder für Schlechtwetterperioden.
Fütterung
Die Ernährung muss sparsam mit rohfaserreichen Wiesenkräutern, zum Beispiel Löwenzahn und Gänsedisteln (Asteraceae), Klee, Luzerne und Vogelwicke (Fabaceae), Acker- oder Zaunwinde (Convolvulaceae) und vielen weiteren Wildkräutern erfolgen. Für täglich frisches Trinkwasser und ausreichende Kalkzufuhr für ein gesundes Panzerwachstum ist ebenfalls zu sorgen, etwa durch gestoßene Eierschalen, Sepia oder Muschelgrit. Nicht gefüttert werden sollten alle tierischen Produkte, Obst, Gemüse und kommerzielles Schildkrötenfutter. Deren meist zu hoher Nährstoffgehalt und ihre unnatürliche Zusammensetzung können in Gefangenschaft zu lebensbedrohlichen Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen führen.
Winterstarre
Die Winterstarre sollte bei T. h. boettgeri vier bis fünf Monate im Jahr betragen, bei T. h. hermanni zwei bis drei Monate. Die Tiere überwintern bei 4 bis 6 °C (eventuell in einem separaten Kühlschrank) in leicht feuchtem Substrat vergraben. Zu trockene Überwinterung und Temperaturen über 8 °C zehren die Tiere aus und vergiften sich wegen fehlender Ausscheidungsvorgänge.
Sonstiges
Jährlich sollte eine tierärztliche Kontrolle auf Parasiten und den allgemeinen Gesundheitszustand erfolgen.
 

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